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Update 8.0: "Immortality"
Update 8.0: "Immortality"
29.11.2016

So ein Astralsturm ist eine unangenehme Sache. Er sorgt dafür, dass Schiffe im Hafen und Tavernen sowie Gasthäuser leer bleiben. Dieses magische Phänomen bringt aber noch eine andere Besonderheit mit sich, denn während des Sturms können die Matrosen in ihren Träumen die Zukunft sehen. Erst kürzlich lief ein gewisser geschäftstüchtiger Wirt an den Docks entlang und bot allen Reisenden freie Getränke, die ihre Träume mit der Öffentlich teilen würden. In eben dieser Nacht war sein Gasthaus randvoll mit Leuten, die begierig darauf waren, den Geschichten zu lauschen oder selbst welche zu erzählen!

Zunächst waren da drei fette Gibberlinge, die sich an den eigens für diese Gelegenheit aufgestellten Tisch setzten:

"Wir drei haben dasselbe geträumt. Es war ein eigenartiger, aber wunderschöner Traum! Wir träumten, dass die Zeit ein Fluss war und dass wir auf einem Floß darauf davongetragen wurden. Der Fluss floss direkt durch den Astralraum, wo es weder Ufer noch Ende gab! Und dann sahen wir einen blubbernden Wirbel. Aus ihm erhob sich eine Insel, die sich vor unseren Augen verwandelte. Erst waren da nur Steine, ohne Leben. Doch nach nur wenigen Augenblicken waren diese von Gras bedeckt, Bäume und Büsche gruben ihre Wurzeln darin ein, unzählige, auch niedliche Kreaturen kletterten über sie hinweg.

Wobei wir nun glauben, dass es sich aufgrund seiner enormen Größe nicht um eine Insel, sondern um ein ganzes Allod handelte. Als wir uns ihm näherten, wurden wir von fliegenden Dämonen angegriffen. Sie waren wütend – aber klein ... wie Fliegen. Wir wehrten uns, indem wir sie mit unserem Haken schlugen. Die Dämonen schienen sich auf der Insel sichtlich wohlzufühlen, denn von ihnen lebten Dutzende in den Bäumen und versuchten, eine Stadt zu erreichen. Ach, was war das für eine Stadt! Wunderschön, großartig, überall Säulen und Treppenstufen aus Marmor. Es wimmelte dort von kleinen Leuten, die anders aussahen, als die Leute aller Völker, die wir kennen. Wir versuchten, ihren Unterhaltungen zu lauschen, doch wir verstanden die Sprache nicht, die sie sprachen. All ihre Worte endeten mit "-os" oder "-us".

"Und dann sahen wir im Zentrum der Stadt ein Ding ... Ein Ding, das keine Worte beschreiben können. Wie ein Brunnen, der Licht zu sich heranzog. Es war uns unmöglich, unsere Augen davon loszureißen. Das Ding war erfüllt von einer solchen Kraft, dass wir kaum an uns halten konnten! Und während wir so dastanden und glotzten, begann die Insel zu wachsen! Die Oberfläche des Flusses kräuselte sich in Wellen, unser Floß kenterte und wir wachten auf. Das einzige, was wir noch erkennen konnten, war, dass eine eigenartige Kreatur in diesem Brunnen lebte.

Das ist alles. Wenn wir noch etwas anderes sehen sollten, werden wir zurückkehren. Und nun, verehrter Wirt, gebt uns was Ihr uns versprochen habt! Wer ist nun an der Reihe? Los, wir wollen Eure Geschichten hören!"

Der nächste, der sich an den Tisch setzte, war ein düster dreinblickender Ork. Es war offensichtlich, dass er seine Geschichte nicht teilen wollte, genauso offensichtlich war es jedoch auch, dass er dringend etwas zu Trinken brauchte. Und so räusperte sich der neue Erzähler und begann mit leiser Stimme seine Geschichte:

"Und ich ... Ich träumte von einem ... von einem großen ... einer Gegend ... Da stehe ich nun, wie ein Idiot, mit Skiern an einem Strand, eingepackt in einen Mantel und auf dem Kopf eine warme Mütze. Das ging so ja nicht, nicht wahr? So kann man ja schlecht Tauchen gehen, oder? Also suche ich mir eine Möglichkeit, mich umzuziehen. Ich ziehe mich schnell aus, werfe mich in meine Badehose und gehe wieder hinaus ... da ist es plötzlich eisig kalt!

Es ist tiefster Winter, alles ist weiß! Die Leute um mich herum, sie sind alle eingepackt und bauen Schneemänner! Und erneut bin ich der Idiot, sehe da in meiner Badehose – mitten auf dem Eis, die Zähne klappern wie verrückt. Hinter mir erhebt sich ein Eisschloss und ich erkenne, dass ich mich da drin umgezogen habe. Während ich versuche, irgendwie herauszufinden, was überhaupt los ist, tauchen ein paar eigenartige Kerle auf. Sie sehen aus, wie Elfen: Arme so dünn wie Stecken, weibisch nahezu. Oder wie Statuen, denn ihre Gesichter sind ebenso grau. Wie aus Stein!

Diese Kerle fliegen also auf Brettern umher und werfen mit Schneebällen auf das Schloss. Und auch auf mich, diese Mistkerle! Ich fange an zu schreien und will mich auf sie stürzen. Natürlich hatte ich weder Waffen noch Rüstung bei mir! Ich hätte diese Typen am liebsten mit bloßen Händen in der Luft zerrissen. Doch meine Beine werden taub, ich kann meine Füße kaum bewegen. Ein Schritt, ein weiterer – brülle vor Zorn und doch wollen sie sich nicht rühren.

Wahrscheinlich wäre ich erfroren, doch da kommt dieser Kerl aus Tekyan. Drückt mir eine Tasse in die Hand und sagt: "Frohes neues Jahr!" das sagt er, "Willkommen im ... " was sagt er nochmal? Irgendein All? Toll? Resort oder so. Irgendein Resort eben, Leute!"

Die letzten Worte grollte der Orc vor sich hin und ließ die Faust so heftig auf den Tisch herniederfahren, dass die Krüge in die Luft geschleudert wurden. Das ließ ein paar spöttisch erhobene Augenbrauen sinken, wischte das Grinsen aus den Gesichtern der Zuhörer und sorgte dafür, dass sich eine ernste Stimmung im Raum verbreitete, bevor der nächste Erzähler seinen Platz einnahm: Ein Xadaganier, der die Streifen eines kaiserlichen Majors trug.

"Kameraden, ich werde versuchen, mich kurz zu fassen. Ich träumte, dass ich eine Einheit grüner Jungen anführte. Die stärksten Kämpfer der Einheit waren genau wie ich einst: schwach, unvorbereitet und gerade alt genug, um im heiligen Land für das Vaterland einzustehen.

Mein Vorgesetzter hatte mir einen entscheidenden Auftrag übertragen: "Bildet sie so schnell wie möglich aus, hier sind alle Dokumente und Vordrucke, die Ihr benötigt, um ... Tut, was immer nötig ist, um diese Jungs auf den Krieg vorzubereiten. Das Imperium ist in Gefahr!"

Ich kam also aus dem Büro, öffnete die randvoll mit Papieren gefüllte Akte und sah, dass ich eine Blankovollmacht erhalten hatte! Also schickte ich meine Neulinge zur Ausbildung in Verzerrungen und nach nur wenigen Tagen erstürmten wir auch schon Astralinseln. Wir wurden in der Heimat vollständig ausgerüstet, damit war eine umfassende Ausbildung problemlos möglich.

Ich muss sagen, dass wir einige neue Verzerrungen und Inseln gesehen haben, einige von ihnen überaus beeindruckend. Schon bald langweilten sich meine Leute jedoch. Schickt uns in Arenen, jammerten sie. Wie gerne würden wir die Mistkerle der Liga ordentlich verhauen. Nun, das war zu bewerkstelligen. Ich öffnete meine Akte und nahm die Genehmigungen heraus: Dominion, Hexenfurche, Verlassener Bauernhof ... Packen wir es an!

Im ersten Kampf trafen wir weder auf Elfen noch Gibberlinge, dafür aber auf ein unbekanntes Volk, das mich sehr an jene der vergangenen Geschichte erinnern. Ihr Angriff war gut geplant, es handelte sich offensichtlich um geschulte Krieger. Unseren Ärzten gelang es nur mit Mühe, meine Männer wiederzubeleben. Ich wurde von einem Geschoss getroffen, verlor mein Bewusstsein und kam an Bord meiner Fregatte wieder zu mir. Erst langsam wurde mir klar, dass alles nur ein Traum gewesen war. Ehrlich gesagt, tat es mir leid, dass ich wieder aufgewacht war."

Der letzte, der sich dem Publikum stellte, war ein Goblin mit der Uniform eines Schiffbauers. Trotz seines schmutzigen Gesichts legte dieser Handwerker eine gewisse Förmlichkeit an den Tag. Er schob sich durch die Menge, setzte sich auf die Tischplatte und tat so, als sei er überrascht:

"Was glotzt ihr mich so an, als würde ich euch etwas schulden? Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich euch überhaupt etwas erzählen werde. Kennt ihr meinen Onkel? Ein geachteter Goblin ist das, das kann ich euch sagen. Er geht bei den Reichen und Mächtigen ein und aus! Solltet ihr mich also hinhängen wollen, macht nur, aber seid gewiss, dass ihr euch damit selbst in Gefahr bringt.

Ich werde den Schleier der Geheimnisse ein wenig für euch lüften. Ich träumte, ich sei einer Partei beigetreten und war auf dem Weg zur Wahl. Hört auf zu pfeifen! Ich weiß, dass in unserem allseits geliebten Imperium Yaskers Wort Gesetz ist und dieser hatte nichts dagegen. Im übrigen wählten die Leute keinen Anführer oder eine Ideologie, sondern Trost und Freiheit. Wenn wir mehr unschätzbares Amalgam wollen, müssen wir es uns einfach wünschen. Wenn wir mehr Glück wollen, gilt dasselbe.

Fragt mich nicht, wie das möglich sein kann, ich bin kein Gelehrter, sondern nur ein intellektueller Arbeiter. Wir müssen uns nur der Partei anschließen, uns als aktive Gruppenmitglieder erweisen und, wenn die Zeit reif ist, demjenigen unsere Stimme geben, der uns Trost spendet. Auch diese Aliens, von denen die anderen Erzähler so eifrig sprachen, kamen in meinem Traum vor. Ich werde nicht sagen, welche Rolle sie spielten, da es sich dabei um weitreichende politische Begebenheiten handelt. Ihr alle seid noch immer nicht in der Partei, ich bin mir daher nicht sicher, ob ich überhaupt mit euch über solche Dinge reden soll."

Das war der Zeitpunkt, an dem die Worte des letzten Sprechers unter dem lauten Pfeifen und Gebrüll der Zuhörer verstummten. "Das reicht nicht!" hörte man die Leute rufen, "wir wollen genaue Fakten und Details!" Glücklicherweise kam dem Goblin der Gastwirt rasch zu Hilfe und entschärfte die Situation: "Keine Sorge, meine Freunde! Kommt einfach nächste Woche wieder ins Gasthaus. Ich werde nur für euch die besten Propheten der Stadt versammeln. Wenn es noch etwas geben sollte, das es über die Zukunft zu erfahren gibt, werden sie es uns sicherlich mitteilen!"